Im Jahre meiner Geburt
war das 1000jährige Reich gerade dabei, sich zu etablieren. Als es sich dann endgültig eingerichtet hatte, war es glücklicherweise auch schon wieder vorbei. Gottlob!
Mit mir aber fing es erst richtig an. Und das war auch gut so, wie hätte sonst
» Poetikons Dichterpark « entstehen können?

Ich schreibe, seit ich denken kann -
oder denke ich, seit ich schreiben kann?
Ich weiß es nicht, jedenfalls denke und schreibe ich schon sehr lange! Zuerst war es der Federhalter mit der Tinte aus dem Tintenfass; das war die Zeit, als man für »neue Schulhefte« noch »alte, vollgeschriebene«, abgeben musste!
(Für die nachfolgenden Generationen eine sicher unmögliche Vorstellung, nicht wahr? Da fielen in der Schule oft »Diktate oder Aufsätze« einfach aus, weil nicht genug Papier bzw.Hefte vorhanden waren!)
In Ermangelung von Papier schrieben wir auch auf Zeitungsrändern!
Die ersten Gedichte an die Jugendliebe wurden auch auf den inneren weißen Blättern von alten Büchern eine Offenbarung.
Später dann der erste Füllfederhalter”. Wie groß war die Freude über diesen Fortschritt. Jetzt machte das Schreiben erst richtig Spaß! Ob das Geschriebene dadurch besser wurde, wage ich zu bezweifeln.

Die erste Schreibmaschine war eine “Olympia”- (oder eine “Triumph!” Ich weiss es nicht mehr genau.) Das Nachdenken allerdings nahm sie uns auch nicht ab. Aber es ging alles schneller, die Gedanken konnten gar nicht so schnell mit dem Schreibfluss mithalten. Und dieser Schreibfluss schien endlos zu sein. Leider blieb mir nicht so viel davon erhalten, das bedauere ich ausserordentlich. Ich gäbe viel darum, zu erfahren, welche schwülstigen Verse ich seinerzeit zu Papier brachte. Bestimmt keine anderen, als es die jugendliche Generation heute fertig bringt. Jedenfalls kamen sie auch damals bei den Mädchen gut an!

Anfang der 80ziger Jahre kam dann meine erste Bekanntschaft mit dem Computer. Zunächst etwas skeptisch beäugt, dann jedoch mit Begeisterung aufgenommen. Welche Möglichkeiten boten sich da!
Neben den Riesenkästen von Nixdorff und IBM, die leicht die Größe von Schrankwänden aufwiesen, erreichten die ersten kleineren PC’s , ”Personal- Computer”, teilweise auch ”Volks- Computer” benannt, die Häuser.
Schneider (Amstrad) CPC464 hieß mein erster “Kleiner”. War der toll! 64 kB RAM. Mit Cassettenlaufwerk. Der Nachfolger hatte dann schon mehr zu bieten. Er hieß CPC128, mit Disketten-Laufwerk- 128 kB RAM, CP’M System .
Die meisten Programme schrieb ich mir selber in Microsoft-BASIC! Machte noch echt Spaß! Das Geschriebene wurde dann mit einem 8-Nadel-Drucker zu Papier gebracht, NLQ 401 war dessen Name.
Irgendwann reichte es nicht mehr. Jetzt musste etwas größeres her: ATARI hieß der Umsteige- Aspirant für mich, und auch der RAM- Speicher war mit 4 MB schon für die damalige Zeit fortschrittlich. Aus dem 8-Nadler wurde ein 24-Nadel-Drucker , mit Near-Letter-Quality! Jawohl! der Fortschritt war schon nicht mehr aufzuhalten.

Wie lange ist das her? Über drei Jahrzehnte. Und heute? Heute benutzen wir das modernste Gerät, krabbeln im Internet herum und wissen heute schon, dass das, was wir morgen kaufen, übermorgen schon Schnee von gestern ist, unmodern und technisch überholt. Die Schnelllebigkeit gerade in dieser Sparte ist oft schon fast beängstigend.
Gedichte aber werden immer geschrieben, Freud und Leid wird noch immer in Lyrik und Prosa zu Papier gebracht, in E-Mails verschickt oder auf Homepages ins Netz gestellt. Und auch gelesen - denn sonst wäre alles umsonst. Der Mensch, das menschliche Gefühl und die Romantik werden auch im elektronischen Zeitalter nicht untergehen.
Liebe, Leid, Trauer, Sentimentalität und Freude haben immer Hochkonjunktur. Und das ist schön.


Nicht jeder kann nun ein Goethe sein. Jeder aber kann seine Gedanken formen und auch irgendwie ausdrücken, jedes Produkt dieser Art ist einzigartig.
Deshalb sollen diese Worte eine Ermunterung sein an Alle: Schreibt euch vom Herzen, was euch bewegt, was in euren Seelen vorgeht. So mancher von den Lesern, die das Geschriebene später irgendwo, irgendwann vor Augen bekommen, findet sich darin wieder, sitzt dann versonnen vor dem Bildschirm oder dem Geschriebenen und versenkt sich zurück in die eigene Vergangenheit!
Und das ist gut so, nur wer über Vergangenheit nachdenkt, kann die Gegenwart zu verstehen versuchen, kann damit auch Zukunft beeinflussen. Irgendwo stehenbleiben, nicht weitergehen und einfach sagen:
»So, das war’s!« ist ein Schritt in die Vergessenheit.
Irgendein alter römischer Dichter, ich glaube es war Ovid, sagte einmal das Wort:
»Ich fürchte nicht den Tod, denn der ist mein Schicksal. Aber ich fürchte, in deiner Erinnerung zu sterben!«
Das, so glaube ich, können wohl viele unterschreiben...

Alle, die schreiben, wollen natürlich auch gelesen werden. Alle aber, die gelesen werden wollen, müssen sich auch der Kritik stellen.
Kritik sollte nun konstruktiv sein. Sollte in liebevoller Weise das aufzeigen, was vielleicht zu bemängeln sein könnte. Andererseits ist Kritik aber meist subjektiv! Deshalb ist schon eine gewisse objektive Gewichtung nötig.
Wer nun allerdings Kritik nicht verträgt-. ja, der sollte vielleicht lieber nur lesen?

 

 

Hat mein Leben eine Bedeutung?

Nun, das ist so ein Gedankenweg, der auch in die Irre führen kann. Mein Leben: Ein erfülltes Leben? Oder ein umsonst gelebtes Leben? Meine Sicht kann ja nur relativ sein. Niemand kann sich selbst bewerten, niemand sein eigenes Leben zur Abstimmung stellen, weil alle Unwägbarkeiten nicht zur Sprache kommen könnten.

Ich gehöre zu der Generation von Kindern, die herausgerissen wurden aus einer behüteten Kindheit in die Wirren der letzten Kriegstage, die eine Flucht aus der Heimat im Osten Deutschlands mit all den grausamen und schrecklichen Erlebnissen über sich ergehen lassen mussten. Im Hinterkopf stets den Gedanken an die damalige Sieger-Mentalität der Roten Armee und ihrer Nachfolger.

Die damalige Ankunft im Westen des »Deutschen Reiches« trug auch nicht unbedingt dazu bei, dass man sich heimisch fühlen konnte, dass man sich nun aufgehoben wusste bei den eigenen Landsleuten. Im Gegenteil!
Wir waren unerwünscht, wir Menschen aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien, die wir die ganze Gräuel des Krieges erlebt hatten, uns hätte man am liebsten zum Teufel gewünscht!
Wir waren schuldlos schuldig gewordene Kinder, die noch nicht wussten, worum es eigentlich ging, die jedoch plötzlich feststellen mussten, dass alles, was sie bisher gelernt hatten, womit sie indoktriniert waren, grundsätzlich falsch war. Kinder, die ihren Vater, ihre Mutter im blühendsten Alter dann verloren, als sie sie dringend nötig hatten.
Entwurzelt aus dem heimatlichen Boden, weggeworfen als Unkraut auf den Komposthaufen der Geschichte zusammen mit Millionen Anderen, die auch ihre Jugend, ihre Kindheit dabei verloren und den Zusammenhalt einer Familie niemals kennenlernten.
Diese Entwurzelung hat mich persönlich mein ganzes Leben begleitet, hat mich stets voller Unrast durch die Welt ziehen lassen, immer auf der Suche nach einem Halt, nach Liebe und Vertrauen, nach einem Boden, in dem ein Wachsen möglich sein könnte.

Ich habe mein Leben ausgefüllt, mit Erfolgen und ebenso mit schlechten Ergebnissen. Deshalb kenne ich das Auf und Ab des Lebens zur Genüge. Meine Kinder sind erwachsen und sehen ihren Vater sicher ganz anders als ich selbst. Ist auch ihr gutes Recht. Und manch negatives Verhalten hat sicher auch seine Auswirkungen gezeigt. Und trotzdem war ich immer für meine Kinder da, als sie mich brauchten und darauf bin ich auch stolz.

Bin ich heute, nach 80 Jahren, ein anderer Mensch als seinerzeit 1945?
Mit Sicherheit. Alles ist veränderbar, die Low’s und High’s im Ablauf meiner Zeit haben mich geprägt. Ich denke anders, ich fühle anders, ich empfinde anders. Viel intensiver, einprägsamer. Ich habe festgestellt, dass ich mich mit mehr Einfühlsamkeit in den anderen Menschen hineinversetzen kann, mitfühlen, mitleiden!
Habe ich das als junger Mensch auch schon gekonnt? Ich weiß es nicht.
Die Zeit war eine andere. Ob sie besser war, wird die Geschichte zu beurteilen haben. Für uns Menschen war es stets früher besser. Seltsam.
Ich habe alles mitgenommen, was ich bekommen konnte.  Es war sicher nicht allzuviel, das lag auch daran, dass mir die Rücksichtslosigkeit fehlte, die Erfolgsmenschen produziert!
Aber ich habe auch immer die Hand zum Schenken und Teilen ausgestreckt.
Oft voller Vorurteile und Ressentiments, musste ich später dann feststellen, dass diese Vorverurteilungen stets irgendwann auf mich selbst zurückfielen.
Heute bin ich sehr viel toleranter, und doch ist mein Abscheu gegen Ungerechtigkeit immer noch der gleiche wie vor einem halben Jahrhundert.
Immer wieder habe ich Fehler gemacht, immer wieder und immer wieder. Auch heute noch. Aber niemals die gleichen Fehler ein zweites Mal !!

Was also ist das Fazit?
Plus / Minus ”0”. Aus meiner Sicht.
Aus der Sicht meiner Mitmenschen könnte ich kein Urteil fällen.
Muss ich auch nicht.

 

 

Mit einem meiner Lieblingsworte, von Lothar Zenetti,
möchte ich diese Gedanken beenden:


Am Ende die Rechnung

Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter,
die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen,
für den Schnee und den Wind,
den Vogelflug und das Gras und die Schmetterlinge,
für die Luft, die wir geatmet haben,
und den Blick auf die Sterne
und für alle die Tage, die Abende und die Nächte.

Einmal wird es Zeit,
dass wir aufbrechen und bezahlen.
Bitte die Rechnung!
Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht!
”Ich habe euch eingeladen”,
sagt der und lacht,
soweit die Erde reicht:
”Es war mir ein Vergnügen!”

 

 

Gedichte zu meinem Leben

 

Kopie

Wäre ich so,
wie alle möchten,
dass ich sei;
lebte ich so,
wie alle meinen,
dass ich leben sollte;--
dann wäre doch
mein ganzes Leben
nur eine Kopie
ihrer Fantasie !

(H.C.G.Lux)

 

Das nachfolgende Gedicht
schrieb einst
Heinrich Heine für mich---
(Na ja- es hätte ja sein können...)

 

 

Fantasie

Ich gesteh, ich bin verrückt!
Hab in der Frühe
ganz ohne Mühe
nach einem Blatte mich gebückt.

Dies Ahornblatt, gelb und rot,
schenkte mir der Wind,
Er sprach: Mein Kind,
dies Blatt ist leider tot!

Du aber stehst im Leben,
du kannst denken,
dich verschenken
und noch viel Liebe geben.

Ich sprach: Ich habe Fantasie,
bin ein verrückter Mann,
mal den Regenbogen an
und singe wie noch nie!

Der Herbstwind lachte leise,
streichelt dann am Wegessaum
den alten Ahornbaum!
Ich wünschte ihm Gute Reise!

 

 

Respectus

So viele tiefe Täler hab ich oft durchschritten,
hohe Berge oft ganz mühevoll bezwungen,
doch oftmals auch dann in des Tages Mitten
so manches frohe Wanderlied gesungen.

Der heiße Sommerwind im hellen Wüstensand,
er bleichte mir in manchen Zeiten meine Haare,
der eisig kalte Wintersturm im fremden Land,
er gerbte mir die Haut in vielen Jahren.

Nun laufe ich nach all den Wanderjahren
in einen Hafen ein, den konnte ich erwählen;
ich möchte nie mehr in die Fremde fahren
und Abenteuer, von denen werde ich nur erzählen!

»Adieu«, sage ich allen Menschen, die mich kennen,
die ich in  achtzig Jahren traf in meinem Leben.
Alle Namen könnt ich nicht mehr nennen,
doch haben viele mir ein Stück von sich gegeben.

Wenn ich einst letztmals Abschied nehmen werde,
so werden gewiss mir manche Freunde fehlen!
Doch es war schön auf dieser wunderbaren Erde,
ich werde davon auch auf Wolke neun erzählen!

Ich bin nicht bange vor dieser letzten Reise,
ich brauche dafür auch nicht viel Gepäck.
Ein wenig Manna, so als letzte Speise,
ein paar Gebete - alles andere lass ich weg!

 

 

Gegen den Willen des Himmels
kein noch so harter Zwang
menschlicher Kräfte siegen kann.
Das Leben fließt wie ein Fluss
in vielen Windungen.
Nicht aus eigener Laune
wählt es seinen Lauf,
unbekannte Gesetze
schaffen ihm Hindernisse,
sie lenken es hierhin und dorthin,
streng väterlich.
O Narr, der du gegen den
Willen des Schicksals
deine eigene freie Wahl
behaupten wolltest!

John Knittel,Via Mala

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